Deppenwelt

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Depp72
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Beitrag von Depp72 » Donnerstag 10. Oktober 2019, 12:59

Garantiert OT und gänzlich querbeet.
Von uns die Arbeit, von Gott den Segen.

https://www.youtube.com/watch?v=0pJcQIKD-wY

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Depp72
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Deppenwelt: Ein Mann seiner Klasse

Beitrag von Depp72 » Donnerstag 10. Oktober 2019, 13:04

Berührend geschriebener Artikel: https://www.freitag.de/autoren/cbaron/e ... ner-klasse

Der Freitag hat geschrieben:Herkunft
Ganz egal, ob geprügelt und ob das Geld versoffen wurde: Ich wollte immer genau so werden wie mein Vater

Am Sterbebett hielt er ihn an der Hand. Ihn, der vor lauter Schläuchen und Verbänden und Kanülen nicht mehr reden konnte. Also waren die Tränen ihre Sprache. Tränen der Trauer, Tränen der Reue, Tränen der Wut – und Tränen der Erleichterung. Denn in diesem intimen Moment auf der Intensivstation des Westpfalz-Klinikums in Kaiserslautern erhielt ein Vater von seinem Sohn das Wertvollste, das ein Vater von seinem Sohn erhalten kann: einen Freispruch in allen Anklagepunkten.

Er sprach den Vater frei von der Schuld an der Armut, in der die Familie leben musste. Er sprach den Vater frei von der Schuld an den seelischen Wunden, die ihm die Gewalt zugefügt hatte. Und er sprach den Vater frei von der Schuld am Krebs, an dem acht Jahre zuvor die Mutter im Alter von 32 Jahren gestorben war. Ohne ein einziges Wort, nur mit einem Händedruck und ein paar Tränen, sagte der Sohn dem Vater: „Ich verstehe dich. Ich verzeihe dir. Ich hab dich lieb.“ [...]
Von uns die Arbeit, von Gott den Segen.

https://www.youtube.com/watch?v=0pJcQIKD-wY

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*Dropkick*
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Re: Deppenwelt

Beitrag von *Dropkick* » Donnerstag 10. Oktober 2019, 22:47

Kaum ist Länderspielpause zieht das Niveau hier merklich an, Daumen hoch...


Freitag statt Bild, das ist ein Quantensprung. :geek:
Bavaria ite domum :arrow:

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Depp72
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Deppenwelt: Lob dem Neorealismus

Beitrag von Depp72 » Montag 14. Oktober 2019, 13:47

Der Neoliberalismus als ''menschenfeindliche Ideologie''? Nein, vielmehr eine wichtige Denkschule für Demokratie und Wohlstand.
Karen Horn (FAZ) hat geschrieben:Als der Liberalismus schwach wurde, konnte der Populismus stark werden. So war es (auch) in den dreißiger Jahren. Eine Gruppe couragierter Männer stemmte sich 1938 dem entgegen. Und erfand den Neoliberalismus.

Mit bedeutungsschweren Worten schließt der Philosoph Louis Rougier seine Einleitung zu den veröffentlichten Mitschriften des „Colloque Walter Lippmann“, das im August 1938 in Paris stattfand: „Jeder Teilnehmer wusste, dass er auf der Schwelle dramatischer Ereignisse lebte, in denen der Frieden zwischen den Völkern und das Schicksal Europas auf dem Spiel standen. Es war ein Treffen aufrichtiger, guter, freier Männer, überzeugt davon, dass die beste Chance der westlichen Zivilisation darin bestand, zu einem wohlverstandenen Liberalismus zurückzufinden, dem einzigen Weg, für einen verbesserten Lebensstandard der Massen zu sorgen, für Frieden zwischen den Völkern, für die Freiheit der Gedanken und die Ehre des menschlichen Geistes.“
[...]
Einen starken Staat zu schaffen bedeutet für die Neoliberalen freilich nicht, dass er voluminös und die Demokratie grenzenlos werden soll. Daraus stricken Kritiker gern den Vorwurf der Inkonsequenz und der Demokratiefeindlichkeit. Angemessener wäre es allerdings zu sagen, dass die Neoliberalen hohe Ansprüche an die Demokratie und das staatliche Handeln stellen. Sie sehen die Demokratie nur insofern skeptisch, als die Anwendung des demokratischen Mehrheitsprinzips allein, ohne einen allgemein zustimmungsfähigen Rechtsrahmen, der die zulässigen Abstimmungsmaterien eingrenzt und so die Privatsphäre jedes Einzelnen schützt, keinerlei Absicherung gegen eine Tyrannei bietet. Eine solche Absicherung ist für die Neoliberalen aller Strömungen jedoch von größter Bedeutung, im Interesse aller Menschen.

Der Politikwissenschaftler Torben Iversen und der Ökonom David Soskice haben im Frühjahr ein interessantes Buch veröffentlicht: Democracy and Prosperity (Priceton University Press). Ihrer Meinung nach sind Demokratie und Kapitalismus historisch nicht gegensätzlich, sondern symbiotisch. ''Neorealismus ist der Effekt starker Demokratien'' (FAZ). Zentrale Ursachen für die Hochkonjunktur des Populismus sehen sie in erster Linie in ungenügender Bildungs- und Regionalpolitik. Bildung und ein wiedererstarkter Konflikt Stadt-Land sind für die beiden Wissenschaftler heute die zentralen Konfliklinien. Offen bleibt dabei allerdings der Einfluss anderer Ursachen/Motive, wie z.B. Xenophobie.

Hochentwickelte kapitalistische Demokratien bezeichnen Iversen/Soskice als stabil. Entgegen dem aktuellen Pessimismus hätten sie alle Krisen durchstanden und würden das auch in Zukunft tun: ''Hochentwickelter Kapitalismus und entwickelte Demokratie formen demnach eine selbstverstärkende Symbiose'' (Soziopolis). Das erkläre auch, warum seit 1945 fast immer die gleichen Staaten zu dieser Gruppe gehören würden und es recht wenige ''Neuzugänge'' wie Israel oder Südkorea gebe. Zwar würden sozio-ökonomische und politische Krisen die hochentwickelten kapitalistischen Demokratien ständig herausforden, aber diese würden sich ''immer wieder neu erfinden und stabil bleiben: reinventing capitalism through a turbulent century – so der Untertitel des Buches.'' (PVS).

Die FAZ lobt das Buch als einen ''der eindrucksvollsten Beiträge zur Politischen Ökonomie der letzten zwanzig Jahre.'' In der Politischen Vierteljahresschrift wird es als ''Pflichtlektüre'' bezeichnet.

Rezensionen zum Buch siehe:

1) Krise? Welche Krise? (Soziopolis):
https://soziopolis.de/lesen/buecher/art ... at-crisis/

2) Rezension zu Democracy and Prosperity (PVS):
https://www.researchgate.net/publicatio ... c/download
(Download als PDF)

3) Neorealismus ist der Effekt starker Demokratien (FAZ 2019):
https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/ ... intPreview


Als gestraffter Rückblick auf den Neorealismus insgesamt siehe Karen Horn:
Geboren aus dem Geist der Krise: Der Neorealismus wird achtzig (FAZ 2018):
https://www.faz.net/aktuell/finanzen/fi ... ageIndex_2
Von uns die Arbeit, von Gott den Segen.

https://www.youtube.com/watch?v=0pJcQIKD-wY

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Eckfahnenfan
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Re: Deppenwelt: Lob dem Neorealismus

Beitrag von Eckfahnenfan » Montag 14. Oktober 2019, 14:58

Depp72 hat geschrieben:
Montag 14. Oktober 2019, 13:47
Der Neoliberalismus als ''menschenfeindliche Ideologie''? Nein, vielmehr eine wichtige Denkschule für Demokratie und Wohlstand.

….

Der Politikwissenschaftler Torben Iversen und der Ökonom David Soskice haben im Frühjahr ein interessantes Buch veröffentlicht: Democracy and Prosperity (Priceton University Press). Ihrer Meinung nach sind Demokratie und Kapitalismus historisch nicht gegensätzlich,

...

Die FAZ lobt das Buch als einen ''der eindrucksvollsten Beiträge zur Politischen Ökonomie der letzten zwanzig Jahre.'' In der Politischen Vierteljahresschrift wird es als ''Pflichtlektüre'' bezeichnet.


Was für ein tolles Deppenthema - Schluss mit der Konfusion (wie gewohnt auf engstem Raum):

1. Neoliberalismus heute ist die Schule von Marktradikalen. Hat wenig mit "Denken" zu tun, ist eher ein Knüppel zur rücksichtslosen Profitsteigerung.

2. "Demokratie und Kapitalismus (sind) historisch nicht gegensätzlich" - hui, was für eine Erkenntnis (nobelpreisverdächtig?): die (bürgerliche) Demokratie ist seit jeher EINE Herrschaftsform im Kapitalismus. Der Faschismus ein ANDERE. Hängt von den historischen Umständen ab, in welchem Staatsgewand der Kapitalismus (Kosename: Marktwirtschaft) daherkommt. Jeck hat dazu kürzlich einen schlauen, jüdischen Kopf zitiert: „Wer aber vom Kapitalismus nicht reden will, sollte auch vom Faschismus schweigen.“

3. Du hast 2 Möglichkeiten: Entweder Du folgst der Lobhudelei der FAZ. Oder nimmst Dir bei nächster Gelegenheit mal Horkheimer vor.
"Mit mir wäre 1974 Holland und damit nur ein Deutscher Weltmeister geworden." (Ente Lippens)

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