Skispringen

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Depp72
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Re: Skispringen

Beitrag von Depp72 »

Bei der Vierschanzentournee müssen ''wir'' weiter warten. Nächste Saison isses so weit, sagt meine Glaskugel. Verdienter Tournee-Sieg von R. Kobayashi. Dazu noch olympisches Gold + Silber. Chapeau! Lindvik deutlich stärker und vor allem stabiler als ich zu Beginn der Saison gedacht habe.

Nimmt man Männer und Frauen zusammen, waren die Slowenen bei Olympia die überragende Nation: 4 von maximal 15 Medaillen, davon 3x Gold. Japan + Österreich mit je 2 Medaillen (Gold + Silber), Norwegen mit 1x Gold, D mit 1x Silber und 2x Bronze. Dazu noch je eine Medaille für Polen, Russland und Kanada. Ein Spiegelbild der Saison: Keine Nation bzw. kein Springer allein bestimmt die Wettbewerbe. Es sind immer fünf bis sechs Springer gut für einen Sieg und zehn bis zwölf für einen Podiumsplatz. Dazu sind die Abstände immer extrem eng.

Bei den Frauen ist vor allem die Breite an Spitzenspringerinnen auffällig: Sie stellen drei Springerinnen in den Top 5 des Gesamtweltcups und gewannen Gold + Bronze. Letzteres allerdings in Corona-Abwesenheit der ansonsten bislang besten Springerin, der Österreicherin Kramer. Mit Rogelj (9. im Einzel) und Nika Prevc (einer Schwester der drei Sprung-Brüder) lauern noch zwei hochtalenierte Frauen dicht hinter dem slowenischen Top-Trio. Aktuell immerhin auf Platz 14 und 16 im Gesamtweltcup. Nur die Österreicherinnen können da in der Breite mithalten. Katharina Althaus war gewohnt fantastisch. Leid tat mir Sara Takanashi. Der früher absolut überragenden Springerin, die im Vorfeld von Olmypia an sich ganz gut in Form war, versagtem bei einem Großereignis wieder einmal ein wenig die Nerven: Platz 4. Aber auch bei den Männern haben schon ansonsten herausragende Springer wie Ahonen oder Malysz einen Olympia-Sieg verpasst. Wurden dafür aber immerhin mal Weltmeister. Auch der Titel fehlt der Sara noch. Ich drücke ihr die Daumen. Und Kata mal ganz oben, wäre ebenfalls schön. Früher war ich ein Gegner des Frauen-Skispringens und habe darüber gelästert. Heute kann ich nur sagen: Pardon, ich war ein einfältiger Narr. Das ist ebenfalls großer Sport, der viel Spaß macht.

Der Mixed-Wettbewerb war natürlich ein Witz. Einer auf Kosten der Skispringerinnen. So sehr ich auch Kanada und vor allem dem sympathischen Boyd-Clowes die Medaille gönne (Russland konnte man so oder so unter den Top 6 erwarten), das war eine Frechheit der Kontrolleure. Ich kann nicht in der Saison wohlwollend prüfen, beim Einzelspringen der Frauen ebenfalls, und dann im Mixed Anzüge bemängeln, die ich zwei Tage vorher noch durchgwunken habe. Das hätte man anders lösen müssen. Entweder ganz durchlaufen oder seit Saisonbeginn stärker durchgreifen. So wie es bei den Männern duch den seit Saisonbeginn neu tätigen Kontrolleur gemacht wird. Eine Frechheit war auch die Disqualifikation der Österreicherin Sorschlag. Nachrückerin für die Corona-gesperrte Sara Kramer. Das IOC verbietet bei Olympia auf den Anzügen den Aufdruck von Sponsoren der Athleten. Da sie kurzfristig einsprang, hatte Sorschlag dementsprechend die Schriftzüge mit Klebeband abgedeckt. Von der Kontrolleurin wurde sie dann dafür disqualifiziert, weil das Abkleben zu Vorteilen in der Luft führen könne.

Wenn man den Hintergrund des kurzfristigen Starts der Athletin kennt und da sie nach dem ersten Sprung eh nicht für eine Medaille in Freage kam, hätte man sie mit Fingerspitzengefühl ein zweites Mal springen lassen können. So war es leider nur ein unverdienter Tritt in den Arsch der Springerin. Da muss man sich an deren Stelle komplett verarscht fühlen. Ein paar Tage später kam bei einem zweitklassigen Springen in Botterode für Sorgschlag neben dem fehlenden Glück auch noch Pech dazu: Schwere Verletzung und Saisonaus. Manchmal ist der Skisprung-Gott echt ein Arsch.

Bei den Männern war die siebte Olympia-Teilnahme Simons Ammanns ein heimlicher Höhepunkt. Der Erfolg vom Ösi Manuel Fettner (Silber im Einzel, Olympiasieger mit dem Team) hat mich sehr gefreut. Und das im zarten Alter von 36. Mit 15 Jahren schon wie ein Komet am Skisprung-Himmel, mancher hat ihm damls eine Karriere wie Morgenstern oder Schlierenzauer vorhergesagt, ist er trotz aller zwischenzeitlichen Widrigkeiten und dem einen oder anderen eher seltenen Höhepunkt dran geblieben. Und wurde jetzt für diese Hartnäckigkeit belohnt. Einer seiner vorherigen Höhepunkte war sicherlich bei der WM 2013, als er auf nur einem Ski akrobatisch schön die Sturzlinie überfuhr und dadurch dem Team Gold sicherte: https://www.youtube.com/watch?v=6sWpoAIto40

Aktueller Stand Gesamtweltcup:
Geiger 1189 / R. Kobayashi 1186 / Granerud 910 / Lindvik 903 / Lanizek 656 / Eisenbichler 642

Den Sieger machen die ersten vier aus. Noch stehen acht Springen an. Außerdem die Skiflug-WM. Im Weltcup sehe ich leichte Vorteile beim Japaner, würde es Geiger aber besonders wünschen. Und traue ihm das auch absolut zu, da (ebenso wie Eisei) ein Kämpfer ist, der immer wieder aufsteht. Für Lindvik und Granerud spricht, dass die meisten Springen im Rahmen der Raw Air in Finnland und Norwegen stattfinden und noch mehrere Skiflug-Wettbewerbe anstehen, in denen Norweger traditionell stark sind.

Skiflug-Weltmeister war der Geiger Karle schon 2020. Das kann dann in diesem Jahr gern Granerud werden. Oder dessen Landsmann Johansson. Oder der Eisei. Mein Geheimtipp für die Skiflug-WM ist derzeit Cene Prevc. Angesichts der Konkurrenz durch seinen Bruder Peter sowie durch Lanizek, Zajc und Kos (sowie im Hintergrund Ziga Jelar) ist dessen Start in Vikersund aber nicht einmal sicher. Beim Team-Wettbewerb sehe ich einen Dreikampf: Slowenien, Norwegen und Felix Austria. Deutschland nur, wenn eine dieser Nationen auslässt. Den Japanern fehlt ein konkurrenzfähiger vierter Springer. Vielleicht wird das in Zukunft Nakamura, der gut in die Saison gestartet war, dann aber stark nachgelassen hat. Die Polen könnten natürlich ein Comeback feiern, aber so recht glaube ich daran nicht. Eine Überaschung könnten die Russen abliefern. So wie bei Olympia. Für eine Medaille fehlt es höchst wahrscheinlich an der Breite und Stabilität, aber Top 5 könnte drin sein. Und das wäre ein Riesenerfolg. Else, der Russe kommt!

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Re: Skispringen

Beitrag von Depp72 »

Depp72 hat geschrieben: Mittwoch 24. November 2021, 20:15 Der Gesamtweltcup der Männer wird diese Saison nur zwischen Granerud, Geiger und R. Kobayashi entschieden. Da lege ich mich nach zwei bisher absolvierten Springen fest.


Endstand:
1) R. Kobayashi 1621 Punkte
2) Geiger 1515
3) Lindvik 1231
4) Granerud 1227

Also knapp daneben. Kobayashi: ein absolut verdienter Sieger. 100 Punkte mehr bei drei Springen weniger als Geiger. Wegen Corona-Quarantäne. Gratulation aber auch an Geiger Karle. Ihm traue ich den Gesamtweltcup im nächsten oder übernächsten Jahr zu. Ebenso die Vierschanzen-Tournee. Markus Lindvik war deutlich stärker als vorher vermutet: Olympiasieger, Skiflug-Weltmeister plus Gesamt 3. Bärenstark!. Und insofern zusammen mit bzw. knapp hinter Kobayashi (Gesamt-WC, Olympiasieger, Tournee-Sieger) der Springer der Saison. Insgesamt eine sehr gemischte Saison: Die beiden obigen Springer sowie das österreichische Olympia Gold-Team, diverse erste Weltcup-Siege von Springern, die Dominanz der Slowenen beim Skifliegen, Deutsche und Polen mit Medaillen und Einzelsiegen. Alle sechs Top-Nationen konnten letztlich etwas mitnehmen. Mit am beeindruckendsten: Die Dominanz der Slowenen beim Mixed-Wettbewerb von Olympia. Sowie die der Männer als Team bei der Skiflug-WM: Fast 130 Punkte Vorsprung auf den Zweitplatzierten. Das sind bei acht Sprüngen rund 110 Weitenmeter oder 27 Meter pro Springer. Kann mich nicht erinnern, dass es das schon mal gab. Höchstens die Ösis zur Glanzzeit mit Morgenstern/SChlierenzauer/Kofler/Loitzl/Koch. Und ein Lovro Kos (bester Slowene bei der Vierschanzentournee und noch bei Olympia-Silber im Team) fand im 5er WM-Skiflug-Kader, von denen man nur 4 einsetzen konnte, keinen Platz. Wahnsinn!

Depp72 hat geschrieben: Mittwoch 24. November 2021, 20:15Eine gute Rolle dürfte der Slowene Anze Lanisek spielen und dabei auch endlich seinen ersten Welcup-Sieg einfahren. Gespannt bin ich, ob Yukiya Sato seinen spektakulären Stil so stabilisieren kann, dass er öfters ein Kandidat für Podium wird. Ein Kraft wird unter den Top 10 der Gesamtwertung landen, ebenso Eisenbichler.

Die Polen haben eine schwierige Saison vor sich. Stoch, Kubacki und Zyla sind immer noch zu Spitzenleistungen fähig, Stekkala für Top 10 Platzierungen, aber die Stabilität fehlt ihnen und die jüngeren Springer (Wolny, Muranka u.a.) stagnieren.
[...]
Österreich vermag ich derzeit gar nicht richtig einschätzen. Kraft ist weiterhin ein Spitzenspringer. Daniel Huber immer wieder mal für einen Platz unter den ersten 10 gut, Aschenwald für die Top 20. Hayböck ist verletzt. Ein Jan Hoerl deutet an, dass er viel drauf hat, aber da kommt bisher nix Beständiges.
[...]
Von den Norwegern rechne ich Johansson noch zu den Spitzenleuten.[...]Bei Tande muss man mal abwarten. Ganz vorne rechne ich zunächst mal nicht mit ihm, aber Top 15 wäre nach dem brutalen Sturz schon sehr gut. Forfang und Lindvik sind mir zu unbeständig. Zwischen Platz 5 und 35 ist alles drin.
[...]
Bei den Slowenen bin ich gespannt, ob Cene Prevc seinen endgültigen Durchbruch schafft und ob sein älterer Bruder Peter noch mal in die Spitzengruppe vorstoßen kann und wie sich Timi Zajc nach seiner letzten turbulenten schlägt. Domen Prevc bleibt eine Wundertüte.

5. Kraft 1069 Punkte
6. Eisenbichler 950
7. Lanizek 936
8. Zajc 711
9. Hoerl 662
10. Cene Prevc 657
11. Huber
12. Johansson
13. Y. Sato
14. Zyla
15. Peter Prevc


Lanizek hat tatsächlich seinen ersten Weltcup-Sieg ersprungen und wurde punktbester Slowene im WC. Wie stark die Slowenen im letzten Saisondrittel waren, zeigt sich daran dass Lanzek es aber weder in das Mixed- noch in das Männer-Team bei Olympia schaffte. In letzterem war zwar Cene Prevc, der als dritter Prevc-Bruder den Durchbruch im WC geschafft hat (erster WC-Sieg lässt noch auf sich warten, folgt aber nächste Saison) und immerhin drittbestersrines Landes im Gesamtweltcup ist, nicht ins slowenische Gold-Team bei der Skiflug-WM kam. Sein Bruder Peter ist wieder zurück in der Weltspitze - jetzt auch mit Olympia-Gold, ebenso wie Timi Zajc. Und Domen Prevc? Halt Wundertüte. Zunächst gar nicht im WC dabei. Auch kein Olympia. Und dann Gold im Team bei der Skiflug-WM. Statt Bruder Cene. Zusammen mit Ziga Jelar. Und auf den möchte ich wieder einmal hinweisen. Erster WC-Sieg und ein ganz heißes Eisen für die nächste Saison.

Stefan Kraft wie zu erwarten stärkster Österreicher. Dazu Huber und Hoerl mit ihren ersten WC-Siegen. Die Polen ebenfalls wie erwartet: Sehr wechselhaft und insgesamt deutlich schwächer als die Jahre zuvor. Kubacki immerhin Olympia-Bronze, Stoch ein WC-Sieg zu Beginn und Zyla als bester Pole in der Gesamtwertung. Von den jüngeren Springern haben in Ansätzen Wasek sowie im letzten Saisonviertel beim Fliegen Wolny ein wenig Leistung gezeigt. Wobei Letzterer auch schon Mitte 20 ist. Jetzt wechseln sie den Trainer.

Ob der Norweger Johansson zur nächsten Saison noch einmal zurückkommt? Wenn man in aussichtsreicher Medaillenposition zur Halbzeit bei der Skiflug-WM wieder einmal wegen latenter Rückenprobleme aufgeben muss und auch die restlichen geliebten Skifliegen verpasst, klingt das nicht gut. Hat als Spätstarter schon viel erreicht. Von daher: Ein Kandidat für den Rücktritt. So wie jedes Jahr Simon Ammann. Beeindruckend, was er in seinem Alter leistet, aber für Top 10 reicht das nicht mehr. Der Zahn der Zeit.

Ein emotionaler Höhepunkt: Daniel Andre Tandes Sieg am Holmenkollen. Ihm fehlte in der Saison logischerweise die Konstanz nach dem katastrophalen Sturz in Planica 2021, aber das er überhaupt noch springt, im norwegischen WC-Team ist und dann auch noch auf einer der traditionsreichsten Schanzen gewinnt, das war bockstark.

Obwohl es insgesamt eher eine durchschnittliche Saison war, landet Markus Eisenbichler als zweitbester Deutscher auf Platz 6 der Gesamtwertung. Insofern jammern auf hohem Niveau. Der Eisei sollte weniger mit sich hadern. Was der schon alles erreicht hat. Entspann dich Markus, dann latscht's auch seltener durch. Die Japaner hatten hinter R. Kobayashi wenig. Ab und an zeigte Y. Sato sein Können auf. Nakamura fiel nach einem guten ersten Saisondrittel in ein Dauertief. So wie der Schweizer Kilian Peier. Ganz stark begonnen, aber dann lief ab Januar kaum nocht etwas. Aber hey, es war seine Comeback-Saison nach einem Kreuzbandriss und in der Gesamtwertung sprang immerhin Platz 16 raus. Insofern stark. Bei den Finnen gab es vereinzelt mal wieder Lichtblicke. Hoffentlich kommt da zur neuen Saison noch mehr von. Auch die Estenkonnten ab und an gefallen. Nicht zu vergessen, der erste Punkt eines Türken in der Geschichte des Weltcups: Fatih Arda Ipcioglu in Obsterdorf. Bei den Tschechen sehe ich weiterhin leider ziemlich schwarz. Die US-Boys sind einfach nicht konkurrenzfähig. Und die Russen hatten ein sehr gute Saison hingelegt. Bis Herr Putin kam. Die Schweizer konnten bei Olympia ein Team stellen. Und mit Peier und Deschwanden sind zumindest zwei Springer dabei, die Kandidaten für die Top 25 sind.

Depp72 hat geschrieben: Mittwoch 24. November 2021, 20:15 Bei den Deutschen ist Paschke ist ein solider Kandidat für Platz 15 bis 30. Und somit eine ernsthafte Alternative bein olympischen Mannschaftsspringen. Leyhe landete nach seinem Kreuzbandriss überraschenderweise gleich zwei Mal in den Punkterängen. Das sieht vielversprechend aus. Wellinger kam immerhin einmal in die Punkte. Darauf lässt sich aufbauen. Severin Freund ist im Weltcup noch nicht dabei. Bei ihm kann ich mir alles vorstellen: Rückkehr in die Weltspitze, aber auch das Verpassen des Olympiatickets. Kaum eine Alternative mehr ist offenbar Richard Freitag. Schade, Rich, da scheint sich eine Karriere ihrem Ende zuzuneigen. Constantin Schmid kompletiert aktuell das Sechser-Team der Deutschen. Er wird auch ein ernsthafter Kandidat für eines der fünf Olympia-Tickets sein.
Und der Rest vom deutschen Fest? Man tat sich schwer. Was irgendwie auch zu erwarten war. Mit Freund (2x), Wellinger, Leyhe und David Siegel hatte man die letzten Jahre bei Kreuzbandrissen ganz tief ins Klo gegriffen. Insofern ist die letzte Saison mannschaftlich völlig ok. Dank Geiger, Eisenbichler sowie dem Olympia- und dem Skiflug-Team gab es Top-Leistungen. Dazwischen war viel Grau. Die Polen hatten es aber deutlich schwerer. So wie in den Jahren vorher die Österreicher und die Slowenen. Insofern kein Grund zur Panik. Mit Geiger und Eisenbichler sind zwei Top 3 Springer dabei. Dazu Wellinger und Leyhe für Top 15. Consti Schmid Top 25. Bei Paschke bin ich gespannt, ob er noch einmal zurückkommt. Ist ja ein Spätstarter gewesen und schon 31. Ebenso, ob sich aus dem jungen Quartett Justin Lisso, David Siegel, Philipp Raimund und Martin Hamann einer in das deutsche Kernteam springt. Siegel war schon mal ein Kandidat für Top 30 - bis zu seinem Kreuzbandriss 2019. Stärker schätze ich derzeit Lisso + Raimund ein.

Stark war in der abgelaufenen Saison noch einmal Severin Freund: Mitglied im deutschen Medaillen-Team bei der Skiflug-WM als krönender Abschluss seiner tollen Karriere. Tat sich am Anfang schwer überhaupt ins Team zu kommen. Verpasste dann ebenso wie Wellinger knapp Olympia. Wobei ihm das wohl gar nicht so wichtig war. Im Gegensatz zum Skifliegen, wie er in einem Interview betonte. Der Severin gehört zu den besten deutschen Springern aller Zeiten. Durchgängig sehr sympathisches Auftreten. Immer aufs Team und die eigene Leistungsverbesserung fokussiert. Seine vielen Erfolge hat er sich vor allem erarbeitet und von Rückschlägen nicht aufhalten lassen. Danke für die vielen tollen Jahre!

Andreas Wellinger ist in seiner zweiten Saison nach dem Kreuzbandriss im letzten Drittel stärker geworden. Da könnte 2022/23 auch konstant wieder mehr gehen. Bringt halt unheimlich viel Talent mit. Constantin Schmid hat den Abwärtstrend der Saison 20/21 zum Glück gestoppt. Von einzelnen Ausreißern nach oben abgesehen, aber auch noch keine Trendumkehr, um in die absolute Weltspitze vorzustoßen. Zudem öfters den 2. Durchgang verpasst, obwohl es beim Absprung gut aussah. Absolute Weltspitze heißt für mich: Top 8. mehrfach in einer Saison. Wobei der Consti von Talent und Alter her definitiv die besten Anlagen der jüngeren Deutschen hat. Interessant wird nächste Saison sein, ob von den jüngeren Justin Lisso einen größeren Sprung macht. Bei seinen wenigen Auftritten im Rahmen der nationalen Startgruppe war das schon ziemlich gut. Stefan Leyhe hat ein starkes Comeback nach dem Kreuzbandriss hingelegt. Im ersten Saisondrittel überraschend stark, ging ihm nachher die Luft aus. Ganz normal. Ein Routinier, der aber noch mindestens zwei gute Jahre vor sich haben sollte. Kein Podiumsspringer, aber Top 10 ist möglich. Pius Paschke hat nach starkem Saisonbeginn und Plätzen rund um 15 seine Form völlig verloren. Mal schaun, ob das nächste Saison für die ersten fünf oder sechs Plätze im deutschen Kader reicht. Oder ob er sich über den Continental-Cup wieder rankämpfen muss.

Ein Deutscher hat zum Saisonende wie erwartet einen letzten Schritt vollzogen:
Depp72 hat geschrieben: Mittwoch 24. November 2021, 20:15 Kaum eine Alternative mehr ist offenbar Richard Freitag. Schade, Rich, da scheint sich eine Karriere ihrem Ende zuzuneigen.


Richard Freitag hat seine Karriere beendet. Den Sprung ins Kernteam hat er letzte Saison nicht geschafft. Bei Starts über die nationale Gruppe kamen noch ein paar Weltcup-Pünktchen zusammen. Meist startete er aber im Continental-Cup - der 2. Liga. Dort konnte er nicht die Ergebnisse erzielen, um sich selbst einen Startplatz im WC zu erspringen. War aber gleichzeitig vom eigentlichen Leistungsvermögen her auch zu gut, um dort zu versauern.Zudem inzwischen Ü30 und bereits in jungen Jahren sehr erfolgreich. Ein Springer, den ich aufgrund seiner Eleganz immer ganz besonders gern gesehen habe. Immerhin 8 Weltcup-Siege. Und damit deutlich mehr als sein Vater Holger (1 Sieg). Dessen Sieg anno domini hab ich bereits im TV gesehen: auf DDR1. Jetzt springt noch Tochter/Schwester Selina. Immer wieder diese Freitags. Richard Freitag und Severin Freund: Alles Gute für die Karriere nach der Karriere. Es war eine Ehre, euch zuzuschauen.

Noch ein internationaler Rücktritt: Der Slowene Anze Seminic. Gewann 2018 immerhin einen Weltcup und wurde jetzt beim Skifliegen in Planica noch einmal 16. Mit 231 Metern. Also damit kann man sich nur fett an den Eiern lecken. Und war an dem Tag ''nur'' fünfbester Slowene, weil Platz 1 bis 4 sowie 7 die Teamkollegen besetzt hatten. Vielleicht die beste slowenische Saison? Zumindest nach Primoz Peterka, der in den 90ern 2x den Gesamtweltcup gewonnen hat.


Bei den Frauen fasse ich mich kurz:
Überragend die Österreicherin Marita Kramer sowie das gesamte slowenische Frauen-Team. Die hatten unter den besten 7 im Gesamt-Weltcup drei Springerinnen. Plus die Erfolge bei Olympia. Und auch Katarina Althaus ist beständig eine Wucht. Ab der nächsten Saison dürfen die ''Mädels'' endlich Skifliegen. Gut so! Die Spitze ist bei den Frauen schon länger spitze, aber in der Breite fehlt es an Breite. Wird sich ändern. Die kommt mit dem Alter. :cool:
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Re: Skispringen

Beitrag von McGi87 »

Maximaler Respekt, das nenne ich mal eine Saisonzusammenfassung! Ich bin begeistert, toll! :thumbup: Da benötigt man wirklich kein Sonderheft mehr (keine Ahnung ob es beim Skispringen eines gibt??) :popcorn:

Ich wünschte, ich hätte auch mal die Muße eine ähnliche Abhandlung in der Tennis-Abteilung zu schreiben, aber ständig kommen Fussi-Dinge dazwischen :nenene: :nenene:

Habe dort jetzt mal einen Beitrag geplant, wenn das Strafmaß für das Bobbele verkündet wird, möglicherweise interessiert es dann ja auch ein paar Leude..

Btw: Danke auch noch für die hervorragende Geschichte über RWE und ETB an anderer Stelle: Herrlich !! :welcomewave: ....mein Sohn hat also mal ne Zeitlang beim Lackschuh-Verein gespielt....sehr interessante Lektüre :welcomewave:
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Last Call for Depp72!

Beitrag von McGi87 »

Moinsen Depp!

brauche Deine Hilfe :idea: :idea: Heute fängt die Tournee an, und ich habe keinen richtigen Plan über die Favoriten, die Deutschen usw. Letztes Jahr war Dein Saisonausblick wirklich hervorragend :thumbup:
Habe bislang nur den kurzen Text auf kicker.de gelesen. Hierbei frage ich mich insbesondere, warum der Japse der die letzten Jahre immer gewonnen hat, dieses Mal überhaupt nicht genannt wird: Hat der aufgehört oder ist der verletzt?

Sofern terminlich möglich, gib mal bitte eine kurze Info. Besten Dank! :wave: :wave:
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Re: Last Call for Depp72!

Beitrag von Depp72 »

McGi87 hat geschrieben: Donnerstag 29. Dezember 2022, 11:10 Hierbei frage ich mich insbesondere, warum der Japse der die letzten Jahre immer gewonnen hat, dieses Mal überhaupt nicht genannt wird: Hat der aufgehört oder ist der verletzt?

Sofern terminlich möglich, gib mal bitte eine kurze Info. Besten Dank! :wave: :wave:

Servus McGi, sorry, da war ich in Winterpause und hab deinen Beitrag sogar erst heute gesehen. Ryoyu Kobayashi hat nach seinem Olympiasieg den letzten Sommer etwas mehr genossen und zudem viele Termine unabhängig vom Training wahrgenommen. Hatte so ca. nur die Hälfte der Trainingssprünge der anderen Athleten absoviert. Kam Mitte Janaur in Sapporo wieder richtig in Form. Dort zwei Siege. Für die WM kein Topfavorit kann aber eine Medaille holen, wenn andere auslassen. Gold wird's bei ihm nicht, da lege ich mich fest.
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Skispringen: WM Planica 23 - Kleine Schanze (Männer)

Beitrag von Depp72 »

Die deutschen Frauen sind richtig on fire. Ganz großes Kino. Die sonst so hoch dekorierten slowenischen Frauen lassen dagegen in der Heimat überraschend schwach aus. Vielleicht reißen es dafür (heute) die Herren raus? Besonders interessant wird sein, wie gut heute der erste Herren-Wettbewerb besucht ist. Beim Skifliegen in Planica am Ende einer jeden Saison gibt es Massenandrang und Volksfeststimmung. Bei der Qualifikation und bei den Damen hielt sich die Besucherzahl bisher stark in Grenzen. Präziser: sie war enttäuschend. Und das bei einer eigentlich skisprungverrückten Nation.

Auf der kleinen Schanze liegen die Athleten in den Top 15 fast immer ganz eng beieinander. Ein Meter ist schon eine ganze Menge. 2 oder 2,5 m Unterschied sind viel. Daher sind sehr gute Haltungsnoten (18,0 oder mehr) inklusive eines sauberen Telemark-Aufsprungs zwingend notwendig, um eine Medaille zu gewinnen. Inwieweit der Wind Einfluss nimmt und ggf. die Chancen der Springer etwas unterschiedlich verteilt, weiß man erst kurz vor Beginn oder manchmal sogar erst während des Springens. Die Wind-Kompensationspunkte gleichen zwar etwas aus, können aber bei stark wechselnden Winden keine wirkliche Gerechtigkeit schaffen. Skispringen ist halt eine Outdoor-Sportart.

Wichtig auf der ''Mini''-Schanze: Der Absprung. Deshalb gelten besonders absprungstarke Springer wie Zyla, Kubacki, Geiger,Tschofenig oder Hoerl auf Kleinschanzen immer zum erweiterten Favoritenkreis. Aber speziell in Planica ist der Absprung nur ein Teil. Dort muss man neben der Höhe (Absprung) auch genügend Geschwindigkeit nach vorn mitnehmen. Und dafür bleibt nur ein kleines Zeitfenster und die Übergangsbewegung in dem Bereich muss sitzen. Dazu dann noch eine gute Haltung in der Luft und ein sauberer Telemark-Aufsprung. Da kommen dann Springer wie Lanizek, Granerud, Zajc, Wellinger, R. Kobayashi sowie Kraft und Stoch ins Spiel. Damit haben wir dann (abgesehen von Hoerl, der für mich nicht zum erweiterten Favoritenkreis zählt) auch die 11 Medaillenanwärter. Normalerweise würde ich noch den Slowenen Ziga Jelar als zwölften dazuzählen, aber der hat sich gestern bei der Quali offenbar am linken Knie verletzt. Hoffentlich nur leicht. Insofern bei ihm ein sehr großes Fragezechen. Die Weltspitze ist inzwischen einfach brutal eng zusammengerückt. Am allerdeutlichsten wird das auf Kleinschanzen. Ein halber Punkt weniger kann da in der Endabrechnung schon mal zwei Plätze schlechter bedeuten. Kubacki hatte Rücken. Soll ausgeheilt sein, aber angesichts des eben gesagten, sehe ich ihn nur als Außenseiter für eine Medaille. Dabei aber in keinem Fall die goldene.

Die Norweger haben derzeit im Gegensatz zu den letzten Jahren nur ein Eisen im Feuer: Granerud. Lindvik und die anderen Kollegen hängen zu weit hinterher. Die Japaner haben nur R. Kobayashi. Die Deutschen sind die Saison extrem schwer in Form gekommen. Bei Wellinger gab es zuletzt aber einen eindeutigen Aufwärtstrend mit zwei Siegen und eine große Stabilität (immer Top 10). Geiger springt noch sehr unterschiedlich. Aber kann Wettkampf und war gestern in der Quali stark. Eisei sehe ich derzeit zu weit weg. Constantin Schmid bekommt keine zwei guten Sprünge zustande. Man achte ansonsten noch auf den Türken Fatih Arda Ipcioglu. Bei der Vierschanzentournee erreichte er die allerersten Weltcuppunkte für die Türkei. Jetzt könnte er als erster Springer vom Bosporus in ein WM-Finale der besten 30 einziehen. Und man staune noch einmal über Simon Ammann. Mit ganz wenig Training im Sommer, noch weniger Wettbewerben bisher im Winter sowie im Alter von 41 Jahren wurde er gestern in der Quali 13. Am Freitag. Das sollte ein gutes Omen sein. Was für ein Athlet. Gregor Schlierenzauer hat schon im Scherz angekündigt: Wenn der Simmi eine Medaille gewinnt, holt er für Olympia 26 wieder seine Skisprungschuhe aus dem Schrank.


Tipp für die ersten 6:

1) Lanizek
2) Zajc
3) Geiger
4) Kraft
5) Granerud
6) Wellinger

Top-Favoriten: Lanizek, Granerud, Zajc und Kraft.
Beste Außenseiter: Wellinger, Geiger + Tschofenig.
Erweiterter Außenseiterkreis: R. Kobayashi, Kubacki, Zyla, Stoch, (Jelar)
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Re: Skispringen: WM Planica 23 - Kleine Schanze (Männer)

Beitrag von Depp72 »

Ergebnis:
Polen vor Deutschland plus ein Schluchtenscheißer. Drei Polen und Deutsche sowie je 2 Österreicher und Slowenen unter den Top10, aber kein Norweger. Die Polen und die Deutschen stärker als erwartet, die Slowenen und Norweger schwächer. Österreich inbetween. Zwei besonders absprungstarke Springer unter den Medaillengewinnern: Zyla + Geiger.

Mit Wellinger war nach den letzten Springen zu rechnen. Karl Geiger bestach durch seine typische Wettkampfhärte. Österreich mit etwas Pech: ''Koan'' Kraft? Kein Norweger unter den Top 10 = kleines Debakel. In Deutschland würde Bild durchdrehen. Die slowenischen Männer passen sich den Frauen an. Bild würde den Notstand ausrufen. Sowohl bei Lanisek als auch Zajc lag es letztlich an den Sprüngen und nicht an den Bedingungen.

Mit Ipcioglu gab es das erste Mal in der Skisprungeschichte einen Türken im WM-Finale. Simon Ammann hat bei seiner 12. WM seit 1999 noch einmal den 2. Durchgang erreicht. Mit 41 Jahren! Beide vor R. Kobayashi, der einen völlig verkorksten zweiten Durchgang hatte. Ein wenig sinnbildlich für den Rest des japanischen Teams in der bisherigen Saison.


1) Zyla
2) Wellinger
3) Geiger
4) Kraft
5) Kubacki
6 ) Stoch
7) Schmid
8) Hoerl
9) Lanizek
10) Zajc
11) Granerud
12) Forfang
13) Eisenbichler
14) Tschofenig
15) Hayboeck
.
.
28) Ammann
29) Ipcioglu
30) R. Kobayashi

Erfahrungsgemäß dürfte mindestens einer der drei Medaillengewinner auch auf der Großschanze Edelmetall gewinnen. Und da rechne ich eher mit Wellinger oder Geiger als mit Zyla.

Depp72 hat geschrieben: Samstag 25. Februar 2023, 16:23 Tipp für die ersten 6:

1) Lanizek
2) Zajc
3) Geiger
4) Kraft
5) Granerud
6) Wellinger

Top-Favoriten: Lanizek, Granerud, Zajc und Kraft.
Beste Außenseiter: Wellinger, Geiger + Tschofenig.
Erweiterter Außenseiterkreis: R. Kobayashi, Kubacki, Zyla, Stoch, (Jelar)
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Skispringen: WM Planica 23 - Große Schanze (Männer)

Beitrag von Depp72 »

Der Favoritenkreis heute ist weitgehend identisch mit dem auf der kleinen Schanze.

Die Hauptfavoriten sind für mich: Zajc, Kubacki, Kraft, Lanizek und Stoch.
Granerud nach den letzten Sprüngen etwas dahinter. R. Kobayashi zwar Top 10, aber keine Medaille. Auch die Deutschen werden bei Edelmetall leer ausgehen.

Tipp:

1) Zajc
2) Kraft
3) Kubacki
4) Stoch
5) Lanizek
6) Granerud
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Re: Skispringen: WM Planica 23 - Große Schanze (Männer)

Beitrag von Depp72 »

Das war ein ziemlich präziser Tipp. Ab und an etwas Selbstbeweihräucherung schadet nicht.
Depp72 hat geschrieben: Freitag 3. März 2023, 17:14 Tipp:

1) Zajc
2) Kraft
3) Kubacki
4) Stoch
5) Lanizek
6) Granerud

Ergebnis:

1) Zajc
2) R. Kobayashi
3) Kubacki
4) Stoch
5) Eisenbichler
6) Kraft
7) Granerud
.
11) Lanizek
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Skispringen: WM Planica 23 - Mannschaft (Männer)

Beitrag von Depp72 »

Hui, das wird heute vermutlich eine der engsten Mannschaftsentscheidungen aller Zeiten. Fünf Mannschaften liegen, wenn man die Ergebnisse von gestern nimmt, ganz eng beisammen: Polen, Deutschland, Slowenien, Österreich und Norwegen. All ihre Teamspringer landeten gestern unter den besten 23. Bei Polen und Slowenien wird es jeweils zentral auf den vierten Springer ankommen: Zinszczol bzw. Domen Prevc. Vor allem bei Österreich sind die vier Springer leistungsmäßig am engsten zusammen. Japan ist diesmal chancenlos. Nur zwei ihrer Springer kamen unter die Top 30. Sie müssen sich sogar ein wenig vor der Schweiz fürchten. Mal schauen, wer als achte Nation in den zweiten Durchgang kommt. Sehe da einen Zweikampf zwischen den Finnen und den USA. Die ehemals starken Tschechen geben leider nur noch ein einziges Trauerbild ab.

Die Ergebnisse der jeweiligen Teamspringer von gestern zusammengerechnet:

1) Polen 1058,9 Punkte
2) Deutschland 1051,7
3) Slowenien 1049,2
4) Österreich 1040,6
5) Norwegen 1032,0

Also rund 27 Punkte nach 8 Sprüngen pro Team. Da ein Meter auf der Großschanze 1,8 Punkte bringt, liegen zwischen Platz 1 und 5 nur 15 Meter. Ergo knapp 2 Meter pro Springer und Sprung. Das ist fast nichts und jederzeit aufholbar. Sehr wahrscheinlich wird allerdings heute bei ein oder zwei Teams ein Springer wegen Nerven oder Windumständen etwas liegen lassen. Das passiert bei Teamspringen immer mindestens einer großen Nation. Sofern nicht der jeweils stärkste Springer des Landes dies Malheur noch durch überragende Sprünge kompensieren kann. Am Ende werden die ersten 3 innerhalb von nur 10 Punkten zusammen liegen. Die Entscheidung über die Farbe der Medaillen wird bei ihnen letztlich durch die Haltungsnoten fallen. Da haben die Deutschen als Gesamtteam einen kleinen Nachteil gegenüber den anderen 4 Ländern. Dafür sind sie aber gerade im Team oft besonders wettkampfstark. Und Titelverteidiger.

Nimmt man den bisherigen Gesamtstand des Weltcups, dann liegen die Österreicher leisungsmäßig besonders eng beisammen: 4 unter den ersten 3 (eigentlich sogar 5, da auch Fettner noch dabei ist, heute aber nicht springen kann). Davon ist allerdings nur Kraft ein Siegspringer. Die Norweger sehe ich trotz des Gesamtweltcup-Führenden Granerud als schwächstes Team, da dort mit Lindvik und Sundal gleich zwei Springer derzeit sehr unbeständige Kantonisten sind. Die Slowenen haben einerseits etwas Druck, weil Heim-WM, andererseits hat Zajc gestern Gold geholt. Dadurch wird es heute leichter, als wenn man bislang gar keine Medaille gewonnen hätte. Und die Polen? Was ihre ersten drei Springer angeht, eine absolute Traumbesetzung. Drei ''Opas'' in Top-Form. Auf den vierten Mann kommt es an sowie auf die Haltungsnoten von Zyla, die immer schlechter als die Traumnoten von Stoch und Kubacki sind. Bei den Deutschen gibt es derzeit keinen absoluten Siegspringer (trotz zwei Siegen von Wellinger im Weltcup). Dafür scheinen aber Eisenbichler und Schmid rechtzeitig ihre Form gefunden zu haben, um unter den besten 15 Springern landen zu können.

Hochspannung ist heute garantiert!


Tipp:

1) Deutschland
2) Polen
3) Österreich
4) Slowenien
5) Norwegen
6) Japan
7) Schweiz
8) Finnland
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Re: Skispringen: WM Planica 23 - Mannschaft (Männer)

Beitrag von Depp72 »

Das war dann diesmal ein wenig erfolgreicher Tipp. Wobei allerdings von vornherein klar war, dass alle 5 führenden Nationen prinzipiell eine gute Medaillen-Chance haben und Kleinigkeiten entscheiden werden.
Depp72 hat geschrieben: Samstag 4. März 2023, 12:57 Tipp:

1) Deutschland
2) Polen
3) Österreich
4) Slowenien
5) Norwegen
6) Japan
7) Schweiz
8) Finnland

Ergebnis:

1) Slowenien 1178,9 Punkte
2) Norwegen 1166,0
3) Österreich 1139,4
4) Polen 1129,1
5) Deutschland 1127,7
6) Schweiz 1012,2
7) Japan 1011,0
8) USA 975,4

Lagen die Top-Teams bei den Einzelergebnissen noch innerhalb von nur 27 Punkten zusammen, waren es im Teamspringen 51 Punkte. Im Mannschaftswettbewerb spielen halt die Nerven oft eine noch größere Rolle. Zumal die Windbedingungen diesmal für alle gleich fair waren. Die Slowenen hatten letztlich nur einen einzigen etwas schwächeren Sprung und der ging immerhin auch noch auf 131 Meter. Bei den Norwegern war es ähnlich. Der schwächste Sprung lag aber bei 125 m. Die Österreicher hatten dann gar 3 Sprünge unter 130 m. Die Polen und die Deutschen zwar derer jeweils nur 2, aber beiden Teams hatten gepokert: Mit einer Anlaufverkürzung wollten sie Bonuspunkte ergattern, verfehlten aber in beiden Fällen die dabei notwendige Weite. Eisenbichler nur um einen halben Meter, Kubacki um 2,5 m. Wobei letzterer von einer Luke losgeschickt wurde, bei der man angesichts der Windbedingungen die notwendige Weite eigentlich gar nicht erreichen konnte. War bei Polen und Deutschland aber auch die letzte Chance, um in den Medaillenkampf noch einmal ernsthaft eingreifen zu können. Zniszczol mit einmal nur 122 m war der polnische Schwachpunkt, bei den Deutschen war es Wellinger mit 126,5 m. Und wieder einmal hatten alle deutschen Springer maximal nur gute Haltungsnoten (18,0) und nicht sehr gute (18,5 oder mehr). Bei so engen Wettkämpfen tödlich.

Für die USA, die Finnland im ersten Durchgang verdrängten, und für die Schweiz auf Platz 6 war es ein sehr erfolgreiches Springen. Vielleicht war es die letzte WM von Simon Ammann. Er hat noch einmal gezeigt, welch großer Athlet er ist. Chapeau! Bei den Japanern ist mit Ausnahme von R. Kobayashi und mit Abstrichen von Nakamura derzeit kein Springer konkurrenzfähig. Wollen wir mal hoffen, dass es ihnen nicht wie den Finnen und Tschechen ergeht - früher Weltklasse, heute 2. Liga.

Btw.: Ein verdienter Sieg der Slowenen. Die zudem im Gegensatz zu Deutschland und Polen mit ihrem technischen Schachzug Erfolg hatten: Sie setzten ihren stärksten Springer Zajc in Gruppe 3 ein. Dort oder in Gruppe 2 werden normalerweise die Wackelkandidaten der Teams nominiert. Insofern war die Anlaufluke wegen Zajc für diese Gruppe weiter nach unten gesetzt. Ein Vorteil für den, der gut in Form ist, weil man dann auch mit kürzerem Anlauf oft noch sehr gut springt. Zajc nahm dem Norweger Lindvik in zwei Sprüngen 10 m ab, den Österreichern 12 m, den Polen 14,5 m und den Deutschen 10,5 m.
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Skispringen: Marta Kubacki

Beitrag von Depp72 »

Lässt vermutlich viele Skisprungfans nicht kalt. Egal welcher Nationalität.
Möge es für euch als Familie gut ausgehen!

https://www.skispringen.com/ehefrau-in- ... vorzeitig/
Skispringen.com hat geschrieben:Wie der polnische Skiverband und Dawid Kubacki selbst inzwischen bestätigt haben, wird er die Saison vorzeitig beenden und auch bei den anstehenden Wettkämpfen in Lahti und Planica nicht mehr am Start sein. „Zu meiner plötzlichen Heimreise schulde ich Euch ein paar Informationen“, leitete Kubacki sein Statement bei ‚Instagram‘ am Montagnachmittag ein und erklärte weiter: „Meine Frau Marta ist aus kardiologischen Gründen im Krankenhaus gelandet. Sie ist in einem schlechten Zustand und die Ärzte kämpfen um ihr Leben. Sie ist in guten Händen, eine starke Frau und ich weiß, dass sie kämpfen wird.“

Gemeinsam mit seiner Frau hat Kubacki zwei Kinder, Tochter Maja ist erst vor wenigen Monaten während der Vierschanzentournee zur Welt gekommen.
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Re: Skispringen

Beitrag von Txomin_Gurrutxaga »

*Klugscheißmodus ein*

Marta Kubacka :shh:

*Klugscheißmodus aus*

Lass uns für sie beten, ok?

Modlitba pro Martu

Ať mír dál zůstává s touto krajinou

Zloba, závist, zášt, strach a svár
Ty ať pominou, ať už pominou
Teď když tvá ztracená vláda věcí tvých
Zpět se k tobě navrátí, lide, navrátí

Z oblohy mrak zvolna odplouvá
A každý sklízí setbu svou
Modlitba má ta ať promlouvá
K srdcím, která zloby čas nespálil
Jak květy mráz, jak mráz.
Ніхто не зламає націю, чий дух був викований у століттях боїв.

Prší a venku se setmělo, tato noc nebude krátká!

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Re: Skispringen

Beitrag von Depp72 »

Txomin_Gurrutxaga hat geschrieben: Donnerstag 23. März 2023, 16:23 Lass uns für sie beten, ok?
Wenn du möchtest: Bitte sehr, nur zu. Du und dein VfL? :mrgreen:
Beten ist aus meiner Sicht eher etwas ohne pathetisches Brimborium. Und privat.
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Re: Skispringen

Beitrag von Txomin_Gurrutxaga »

Depp72 hat geschrieben: Donnerstag 23. März 2023, 19:13 Wenn du möchtest: Bitte sehr, nur zu. Du und dein VfL? :mrgreen:
Beten? Nee. No way. Höchstens für den Borschtsch. Wollte nur unbedingt diesen tschechischen Titel ("Gebet für Marta") unterbringen.
Ніхто не зламає націю, чий дух був викований у століттях боїв.

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Re: Skispringen

Beitrag von Depp72 »

Txomin_Gurrutxaga hat geschrieben: Freitag 24. März 2023, 14:21 Beten? Nee. No way. Höchstens für den Borschtsch.
Für Borschtsch würde ich üben statt beten empfehlen. Deutlich bessere Erfolgsaussichten.
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Skispringen: Fazit 2022/23

Beitrag von Depp72 »

Das Wichtigste vorweg: Marta Kubacka, der Frau von Dawid soll es besser gehen. Das bleibt hoffentlich so.


Ansonsten hat Halvor Egner Granerud überzeugend den Gesamtweltcup gewonnen. Selbst wenn Dawid Kubacki die Saison nicht vorzeitig hätte beenden müssen, wäre es sehr wahrscheinlich ebenso gekommen. Und ähnlich deutlich. Der Norweger hatte schon etwas Vorsprung und ist der deutlich bessere Skiflieger. Drei der letzten vier Wettbewerbe fanden auf den ganz großen Schanzen statt. Dazu noch sein Vier-Schanzen-Tournee-Sieg und der bei der Raw Air. Großer Respekt. So etwas gelingt nur gaaanz selten. Gut, dass es bei der WM nicht geklappt hat. Erfolgserlebnisse auch für andere und er hat für die Zukunft noch Ziele. Der Rest der Norweger eher im Tief: Forfang im zweiten Teil der Saison immerhin meist gut. Olympiasieger Lindvik dagegen fast durchgängig im Dauertief. Flying Mustache Robert Johansson leider mit durchgängigen Rückenproblemen. Tande oft in between und öfters sogar ganz draußen. Dazu ein paar junge norwegische Hüpfer, die die ein oder andere gute Platzierung erreicht haben, aber aufgrund ihrer Jugend und der Dichte in der Weltspitze natürlich nicht durchstarten oder konstant überzeugen konnten: Sundal, Heggli, Bjoereng + Oestvold. Um die Norweger muss man sich keine Sorgen machen. Auch wenn ohne Granerud ihr Ergebnis natürlich auf dem Niveau der deutschen Mannschaft gewesen wäre.

Österreich stellte das mit Abstand beste Gesamtteam und gewann somit logischerweise den Nationencup. Vorneweg, wie üblich: Stefan Kraft. Dritter im Gesamtweltcup und Gewinner der kleinen Kristallkugel beim Skifliegen (6 Wettbewerbe in der Saison). Dazu hatte man bei den Schluchtenscheißern Daniel Tschofenig, der schon 21/22 eine tolle Einstiegssaison als Rookie hatte. Die er aber jetzt noch einmal deutlich übertraf: Platz 8 im Weltcup.

Den Namen Daniel Tschofenig wird man sich merken müssen!!!!! Sofern ihn nicht eine schwere Verletzung wie ein Kreuzbandriss ausbremst, wird das einer der führenden Springer der nächsten 10 Jahre.

Ein Nachfolger vom Krafti, der aber noch lange nicht müde ist. Dazu ein Manuel Fettner, der nach seinem Olympia-Silber 22, die beste Saison seiner Karriere mit zarten 37 Jahren sprang: Platz 9 in der Gesamtwertung. Einem wiedererstarkten Routinier Michael Hayboeck (Platz 12). Und einem mittelalten Jan Hörl (Platz 15), der ab der zweiten Saisonhälfte ziemlich stark war (sechs oder sieben Mal Platz 5). Dahinter noch einige junge Talente sowie drei bis vier Springer zwischen Mitte 20 und Anfang 30, die jederzeit für Platz 15 bis 20 im Weltcup gut sind. Felix Austria!

Deutschland mit einer weitgehend gebrauchten Saison. Aber immerhin zwei WM-Medaillen (Wellinger + Geiger). Und vor mit einem Andreas Wellinger, der nach vielen Jahren endlich seinen Kreuzbandriss überwunden hat und in die Weltklasse zurückgekehrt ist. Immerhin zwei Weltcupsiege. Ganz stark! Dazu einen Philipp Raimund, der als junger Springer vor allem in der ersten Saisonhälfte überzeugt hat. Ebenso wie ein vorher verletzter Justin Lisso im letzten Saisondrittel. Karl Geigers Saison war sehr durchwachsen. Aber er hat wie immer alles gegeben und die WM-Medaille ist Ausdruck davon. Platz 11 im Weltcup ist für ihn aufgrund der letzten Jahre schwach, aber in Westdeutschland hätten wir das früher mit Kusshand genommen. Der Karle ist ein Kämpfer und kommt wieder. Der will 1x den Gesamtweltcup gewinnen und ist ein akribischer Arbeiter. Drittbester Deutscher im Weltcup auf Platz 13: Markus Eisenbichler. Weitgehend eine gebrauchte Saison. Ganz selten mal zwei gute Sprünge. Meist nur einer, Manchmal sogar nach dem ersten nicht im zweiten Durchgang. Aber mei, der große Kamil Stoch rangiert im Wltcupt auf Platz 12, nur vier Punkte vor ihm. Gute Gesellschaft. Ein Stephan Leyhe zeigte zunächst recht gute und solide Ansätze, fiel dann aber deutlich aber. Seinen Kreuzbandriss hat er offenbar noch nicht gänzlich überwunden. Ein Wellinger zeigt aber, wie lange das dauern kann: locker vier Jahre. Pius Paschke muss immer kämpfen, um ins Stammteam zu kommen bzw. da zu bleiben. Ganz am Schluss der Saison machte mit Felix Hoffmann noch ein Youngster auf sich aufmerksam. Mal schaun, die der sich nächste Saison weiterentwickelt. Mit Ausnahme von Richard Freitag und Andreas Wellinger hatte Deutschland zuletzt keine weiteren Springer, die schon in ganz jungen Jahren die Skisprungwelt einreißen konnten. Bei den Slowenen ist und war das anders: Peter + Domen Prevc, Anze Lanisek, Timi Zajc...

Die Slowenen: Platz 3 im Nationencup. Am Ende mit Gold durch Zajc und die Mannschaft bei der Heim-WM sehr erfolgreich. Dazu 2 Springer in den Top 10 des Gesamtweltcups. Eine gute bis sehr gute Saison. Und abgesehen von Peter Prevc (Verletzungspech bei der Heim-WM) ein recht junges Team. Im Hintergund immer eine Masse an großen Talenten. Heißestes Eisen derzeit: Rok Masle. Zudem sind Lanisek, Ziga Jelar oder Lovro Kos auch erst Mitte 20. Ebenso wie D. Prevc und Zajc. Peter Prevc ist mit gerade mal 30 der Oldie. Allerdings hören viele Slowenen auch recht jung auf. Rok Benkovic wurde mit 19 Weltmeister, Karrierende bereits mit 21.

Die Polen sind mit David Kubacki als lange Zeit Gesamtweltcupführendem überragend gestartet. Bis ein Granerud bei der Vier-Schanzentournee durchstartete. Trotz ''lediglich'' Platz 4 im Nationencup (immerhin vor Deutschland) gelangen mit Platz 2 von Kubacki in der Gesamtwertung sowie dessen Bronze-Medaille bei der WM und dem überraschenden WM-Gold von Zyla (TItelverteidigung!) olus Platz 6 in der Gesamtwertung große Erfolge. Stoch - König Kamil - war auch stabiler und besser als im letzten Jahr: Platz 12. Von den jungen Springern hat Pavel Wasek einen größeren Schritt gemacht. Allerdings überwiegend in der ersten Saisonhälfte. Ein Aleksander Zniszczol war im letzten Saisondrittel ziemlich gut, ist aber schon Ende 20. Mit Jan Habdas tauchte lediglich ein ganz junges Talent auf. Allerdings sehr selten und nicht mit besonders bemerkenswerten Ergebnissen. Komischerweise hat es Polen trotz der insgesamt guten bis sehr guten Form der drei alten Springer (Stoch, Kubacki, Zyla) als Team nicht geschafft Lorbeeren einzuheimsen. Da war man, so wie Deutschland, einfach zu unkostant.

Die Japaner: Ryoyu Kobayashi + Naoki Nakamura - das war's. Der Olympia- und Gesamtweltcupsieger RK 2022 hatte in der Sommerpause viele Auftritte und in der Vorbereitung viel zu wenige Vobereitungssprünge. Somit reichte es in der ersten Saisonhälfte meist nur zu Platz 10 bis 20. Ab Sapporo wurde die Form deutlich besser. Ein paar Weltcupsiege (meist Top 10) und endlich die erste WM-Medaille waren das positive Ergebnis. Nakamura began die Saison stark und beendete sie ebenso. Dazwischen war er der einzige Japaner, der öfters den zweiten Durchgang erreichen konnte, befand sich aber in der Zeit trotzdem weitgehend im Tief. Der Rest der Japaner: Fand, abgesehen von Ren Nikaido ganz am Anfang der Saison, nicht statt. Dramatisch! Der nächste Absturz einer Weltnation nach den Finnen und den Tschechen?

Die Schweiter haben dagegen eine gute Saison hinter sich. Gregor Deschwanden absolvierte seine beste Saison. Belohnung: Platz 27 insgesamt. Bis zum Ende der Vierschanzentournee schwach, startete er danach durch. Hoffentlich kann er das stabilisieren und ein Anker im Schweizer Team werden. Das Talent ud die Erfahrung hat er. Zusammen hoffentlich mit Killian Peier (WM-Medaille 2019). Der braucht nach seinem Kreuzbandriss noch etwas Zeit. Diese Saison war auf bescheidenem Niveau ein erster Schritt in die richtige Richtung. Dazu hat man mit Remo Imhof im letzten Saisondrittel ein hoffnungsvolles Talent herangeführt. Und der Simmi? Simon Ammann springt mit 41 immer noch. Und ich vermute auch 23/24. In der Vorbereitung und der ersten Saisonhälfte war er allerdings kaum präsent. Stattdessen Studium. Entsprechend schlechtv waren die Ergebnisse bei seinen seltenen Auftritten. Doch im letzten Saisondrittel drehte er noch einmal auf: Qualifizierte sich meist für den 2. Durchgang und schnupperte sogar an Platz 15. Mit so wenig Training eine Meisterleistung von ''Harry Potter'' (O-Ton Eurosprt-Kommentator Dirk Thiele). Momentan als Team recht sicher in der zweiten Runde. Dafür muss man im Teamspringen nach Durchgang eins mindestens Achter sein. Das war früher undenkbar. Als noch die Finnen, die Tschechen, die Russen...

Die Finnen haben zwar wieder zwei bis drei Springer, die es immer wieder mal in den zweiten Durchgang schaffen (=Top 30), aber mehr auch nicht. Die Tschechen haben leider gar nichts. Ein einziges Trauerspiel. Da ist inzwischen sogar die Türkei mit einm Ipcioglu sowie einem Bedir deutlich stärker. Die USA irgendwo in between. Sehr hoffnungsvoll: der ganz junge Eric Belshaw. So wie bei den Italienern Giovanni Bresadola. Die Russen waren logischerweise gesperrt. Die Ukrainer hatten einen sehr hoffnungsvollen jungen Mann im Wettbewerb: Jewhen Marusiak. Immerhin 8 Weltcup-Punkte und insbesondere eine sehr gute WM. Fetter Respekt!


Ebenso für die berührende Geste von Anze Lanisek bei der Siegerehrung im Gesamtweltcup:
https://www.eurosport.de/skispringen/pl ... tory.shtml
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Re: Skispringen 2023/24

Beitrag von Depp72 »

Depp72 hat geschrieben: Freitag 21. Februar 2020, 16:04 Der ewige Noriaki Kasai, werden wir ihn noch mal auf Weltcup-Ebene wiedersehen? Ich fürchte (abgesehen von einem Abschiedsspringen und nächstes Jahr Sapporo) eher nein. Und wenn doch, dann wohl nur beim Skifliegen, da ist die Absprungkraft nachrangig.
Quark mit Sauce, Herr Depp. Mit 51 Jahren Jahren hat Nori dies Jahr wieder 2x Weltcup-Punkte gesammelt. Gestern als 28. in Lahti und vor zwei Wochen als 30. in Sapporo. Damit kommt er inzwischen auf 571 Weltcup-Einsätze. Der Typ ist einfach total ''krank''. Und will weitermachen. Schafft er sogar Olympia 2026? https://taz.de/Comeback-des-Altmeisters ... /!5990271/

Der Rest ist Chronistenpflicht. Stefan Kraft wurde verdient Skiflug-Weltmeister und wird sich wahrscheinlich auch den Gesamtweltcup holen. Er hat inzwischen insgesamt 40 WC-Siege in 12 WC-Jahren (Rekordhalter ist Schlierenzauer mit 53), davon 10 diese Saison. Der derzeit Gesamtzweite Ryoyu Kobayashi wird diesen Platz sehr wahrscheinlich halten. Seine neun zweiten Plätze diese Saison dürften einmalig sein. Dritter ist Andreas Wellinger. Der Olympiasieger von 2018 hat nach dem Kreuzbandriss 2019 und ersten guten Ansätzen in der letzten Saison endgültig wieder in die Erfolgsspur zurückgefunden. Mit Abstand bester und stabilster Deutscher. Silber bei der Skiflug-Weltmeisterschaft am Kulm als Belohnung. Dazu diese Saison auch schon gewonnen und Zweiter bei der Vierschanzen-Tornee. Die Deutschen starten insgesamt saustark in die Saison, um dann allerdings mit Ausnahme von Wellinger zur Vierschanzentournee doch deutlich nachzulassen. Und das des Öfteren auf breiter Front. Jammern sollte man deshalb aber nicht. Weil Wellinger Weltspitze ist. Weil Pius Pasche mit 33 (!) seinen ersten Weltcup gewonnen hat und aktuell auf Platz 9 im Gesamtklassement liegt. Weil Karl Geiger 2x in Klingenthal gewann. Dann aber rätselhafterweise in ein andauendes Leistungsloch fiel. Trotzdem immer noch Platz 12 in der Gesamtwertung. Und weil der junge Philipp Raimund ab und an gute Ergebnisse erzielte. Dazu die Bronze-Medaille mit der Mannschaft im Skifliegen. Markus Eisenbichler war vor der Saison aus dem deutschen A-Kader geflogen und bisher kam kein weiteren WC-Einsatz dazu. Teilweise war er sogar im zweitklassigen Continental Cup völlig von der Rolle. Zuletzt aber wieder etwas besser. Mal schaun, ob er weitermacht. Constantin Schmid und Felix Hoffmann versuchen sich ins Weltcup-Team zu kämpfen. Müssen dafür aber immer wieder im Continel Cup (CC) um einen sogenannten Quotenplatz springen. In der ersten Liga überzeugen sie dann selten. Stephan Leyhe springt nach starkem Beginn eine durchschnittliche Saison.

Zu schaffen machte den Deutschen, aber auch Österreichern, Slowenen und Norwegern die Reduzierung der fixen Startplätze von ursprünglich (maximal) 6 auf jetzt 5. Damit sollten kleinere Nationen gestärkt werden. Ob dies allerdings wirklich gelungen ist? Meiner Meinung nach nur wenig. Bei den Slowenen betraf die neue Regelung in erster Linie Ziga Jelar, der noch vor 2 Jahren den Skiflug-Gesamtweltcup gewonnen hatte. Lediglich zu Beginn des Winters hatte er ein paar Einsätze und kommt seitdem nicht mehr in Team. Die stärkste Leistungsdichte haben diese Saison die Österreicher. Entsprechend führen sie die Nationenwertung deutlich an. Derzeit vier Ösis unter den Top 10 im Gesamtweltcup. Dazu zwei Slowenen und Deutsche sowie ein Japaner und der Norweger Lindvik.

Bei den Österreichern sind Kraft, Hoerl, Hayboeck und Fettner das Kernteam. Daneben kämpfen Daniel Tschofenig, Clemens Aigner und Daniel Huber um den fünften Startplatz. Einer von ihnen muss meist zum Continental Cup und soll dort versuchen einen sechsten Startplat (Quotenplatz) herauszuspringen. Dazu kommt seit der Vierschanzentournee noch Stephan Embacher. Man merke sich diesen Namen für die Zukunft! Ein Riesentalent. Vorgestern in Lahti mit 17 das erste mal im Vierer-Mannschaftsteam von Österreich. Außerdem ist vor einigen Wochen Junioren-Weltmeister geworden. Der könnte mal eine Karriere wie Stefan Kraft hinlegen. Bei den Slowenen schaffte Lovro Kos endgültig den Sprung in die Weltspitze und gewann seine ersten zwei Springen. Timi Zajc überzeugte zwischdrin ab und an, war aber nie wirklich konstant. Dafür mit Bronze im Einzel und mit Mannschaftsgold bei der Skiflug-WM dekoriert. Eine wahre Auferstehung erlebt zur Zeit Peter Prevc, der zum Saisonende aufhört. Auch sein Bruder Domen springt seine konstanteste Saison seit langer Zeit. Anze Lanizek in der ersten Saisonhälfte Sloweniens bester und konstantester Springer fällt seit Wochen wegen einer Verletzung aus.

Die Norweger sind diese Saison weitgehend von der Rolle. Keine Medaille bei der Skiflug-WM. Dazu Streit zwischen Mannschaft und Cheftrainer Alex Stoeckl. Eventuell wechselt der nach der Saison auf eine andere Stelle im norwegischen Verband. Einzig Forfang (4. bei der WM, Platz 12 derzeit im Gesamtranking) und Lindvik konnten hin und wieder zwischendrin überzeugen. Bislang nur ein Saisonsieg durch Forfang. Dazu noch der junge Kristoffer Eriksen Sundal, der neulich seinen ersten Podestplatz erreichte. Gesamt-Vorjahressieger Granerud aus Norwegen spielt dies Jahr keine Rolle und musste zwischendrin sogar aussetzen und zum Heimtraining. Daniel-Andre Tande kommt nicht auf die Beine. Und Robert Johansson, the flying mustache, wurde vor der Saison aus dem A-Kader geworfen. Er kehrte erst kürzlich wieder einmal im norwegischen Weltcup-Team auf. Ganz katastrophal verlief die Saison bisher für Polen. Weder ''König'' Kamil (Stoch), noch Pjotr Zyla oder Dawid Kubacki kamen wirklich ins Rollen. Eine Saison zum vergessen. Einzig Aleksander Zniszczol war in den letzten Wochen ein Lichtblick. Gestern in Lahti, kurz vor seinem 30. Geburstag, als Dritter der erste Podestplatz seiner Karriere und der erste Polens in dieser Saison. Ob der Österreicher Stefan Thurnbichler auch nach der Saison Polens Cheftrainer ist, bezweifele ich. Die Skisprung verrückten Polen dürften masslos enttäuscht sein. Und ihre drei großen Stars sind bereits alle Mitte 30. Zniszczol ist schon fast 30 und Pavel Wasek, der zudem stark hinterher hinkt, auch schon Mitte 20. Wirklich konkurrenfähige junge Flieger waren dagegen bislang nicht zu sehen. Bei den Japanern hat Ryoyu Kobayashi ein bisschen Unterstützung von Ren Nikaiodo bekommen, aber danach klafft dort ein Riesenloch. Junshiro Kobayashi ist einfach nur Durchschnitt. Dass mit Taku Takeuchi ein Mitte 30-jähriger und Kasai es ab und an ins Team schaffen, sagt viel über den (bislang) fehlenden Nachwuchs der Japaner aus. Doch einer kaschiert und überstrahlt das alles: Die Vierschanzen-Tournee gewann Ryoyu Kobayashi verdient. Schon sein dritter Tournee-Sieg. Und sein persönliches Ziel, in jeder Saison mindestens ein Weltcupsieg, hat er auch schon erreicht. Dazu Zweiter im Gesamtweltcup.

Die kleineren Skispung-Nationen: Die Italiener sind diese Saison unter ihrem neuen Cheftrainer David Jiroutek (TCH) deutlich stärker geworden. Giovanni Bresadola und Alex Insam kommen häufig in den zweiten Durchgang und damit die besten 30 Springer. Eine Wiederaufstehung erlebte Roman Koudelka. Der fünffache Weltcupsieger hinkte jahrelang hinterher. So wie die gesamte einst große Skisprung-Nation Tschechien. Doch Koudelka kommt wieder regelmäßig in den zweiten Durchgang und erreicht sogar ab und an Plätze unter den ersten 20. Damit hatte kaum noch jemand gerechnet. Erfreulich ist auch die Entwicklung der beiden US-Amerikaner Erik Belshaw (Silber bei der Junioren-WM) und Tate Frantz. Kommen immer wieder in den 2. Durchgang und holen so Punkte. Da entsteht etwas. Auch die Finnen haben einen kleinen Schritt nach vorn gemacht Der beste von ihnen diese Saison ist Nyko Kytosaho. Immerhin 7. bei der Skiflug-WM. Das beste finnische Ergebnis seit langer Zeit (letzer Finnen-Sieg: 2014). Ab und an in den 2. Durchgang schaffen es der Este Artti Aigro und der Bulgare Wladimir Zografski. Einzelkämpfer. Ebenso wieder Ukrainer Jewhen Marusiak, der bislang immerhin 7 Punkte sammeln konnte und in jedem Fall ein Talent ist. Erstmals seit langer Zeit konnte auch wieder ein Franzose Weltcup-Punkte sammeln: Valentin Foubert. Der Türke Fatih Arda Ipcioglou kommt heuer nicht so richtig auf die Beine. Bei 9 Weltcupeinsätzen sammelte er drei Punkte und ist jetzt schon seit einigen Wochen nicht mehr im Weltcup am Start. Dabei hatte ihm zu Saisonbeginn Ex-Bundestrainer Werner Schuster, Co-Kommentator bei Eurosport, in absehbarer Zeit einen Top 10 Platz zugetraut.

Last but not least schauen wir auf die Schweiz: Auch sie haben einen Sprung nach vorn gemacht. Gregor Deschwanden, inzwischen schon 30, springt seine beste Saison und erreichte heuer den ersten Podestplatz seiner Kariere. Killian Peier kämpft nach seinem Kreuzbandriss in der zweiten Saison in Folge noch um Anschluss. Ist aber immerhin wieder ein Kandidat für die Mannschaft. Der junge Remo Imhof hat sich verbessert, auch wenn es zuletzt nicht so lief. Und Simmi, der Harry Potter des Skispringens? Der ewige Simon Ammann. Auch er kommt mit 42 immer wieder mal in den 2. Durchgang. Ist besser als in der Vorsaison. Er hat zudem offensichtlich wieder mehr Spaß. Bei ihm sieht man immer direkt nach der Landung, wie gut der Sprung war. Sogar seine Landung konnte er unter dem neuen Schweizer Cheftrainer Rune Velta (NOR, Ex-Weltmeister) wieder verbessern. Und wer weiß, vielleicht sehen wir Ammann bei Olympia 26? Es wären dann seine achten Spiele. Zusammen mit Nori? Die beiden zusammen wären dann 97 Jahre alt. Und holen dann zusammen ex aequo Gold. Man wird ja wohl noch mal träumen dürfen.

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Re: Skispringen 2023/24

Beitrag von Depp72 »

Noriaki Kasai hat sich am Ende der Saison nicht nur fürs Skifliegen in Planica qualifiziert, sondern dort als 29. auch noch zwei Punkte im Weltcup geholt und ist bei 210,5 m gelandet. Mit 51 Jahren!!!

Da muss sogar der herzliche Glückwunsch an Stefan Kraft (immer noch Skiflug-Rekordhalter: 253,m), zurückstehen. Den verdienten Überflieger dieser Saison. Pardon, lieber Schluchtenscheißer. Das war ganz großes Kino. Skiflug-Weltmeister plus Gesamtweltcup mit 13 Saisonsiegen. Macht in seiner WC-Karriere 43 erste Plätze. Nur Nykänen und Schlierenzauer haben da mit 46 bz. 53 Siegen mehr. Wobei der Finne überragende 35 % seiner damals deutlich geringeren Anzahl an Wettbwerben gewonnen hat. Schlieri, schon mit viel mehr Wettbewerben, immerhin fantastische 19 %. Kraft steht bei knapp 14,5. Von den akuellen Springern sind da prozentual nur Ryoyi Kobayashi mit knapp 15 und Granerud mit 14,5 % im gleichen Bereich. Vielleicht geht der Japaner später aber doch noch mal als GOAT ein. Bereits 32 Siege mit erst 27 Jahren. Und quasi schon alles gewonnen: Olympia, Gesamtweltcup, Vierschanzentournee. Oder doch der Norweger Granerud (25 Siege mit ebenfalls 27 und ähnlichem Erfolg, bislang aber ohne olympisches Gold)? Ich tippe auf Nippon. https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der ... ng-Weltcup

Und gar nur auf Platz 3 hier im Ranking, aber prinzipiell eine Nr. 1: Peter Prevc. Trotz eines Primoz Peterka (Ende der 1990er) für mich der größte slowenische Skispringer aller Zeiten. Den Gesamtweltcup 2015/16 gewann mit bislang 15 Saisonsiegen (also 2 mehr als heuer Krafti). Dazu Gewinner der Vierschanzentournee 2016. 23. Weltcupsiege. Seinen letzten hat er beim vorletzten Einzelspringen seiner Karriere in Planica erflogen. Ein kleines Märchen. Ein verdientes. Einer der Besten aller Zeiten. Großartiger Sportsmann. 2014/15 hatte er z.B. im Weltcup gleich viele Punkte wie Severin Freund, verlor die Kugel aber, weil weniger Saisonsiege. Ergebnis: Null Klage. In der Saison darauf holte er sich dann alles. Dazu noch viele Titel und Medaillen im slowenischen Team, vor allem natürlich im Skifliegen. Darunter olympisches Gold im ersten Mixed-Springen der Geschichte plus zwei Einzelmedaillen in Sotchi 2014. Sein jüngerer Bruder Cene war eine Zeit lang immer gut für die Top 20. Der noch jüngere Domen hat schon ein paar Springen gewonnen und heuer eine seit langem ungewohnt stabile Saison. Zum Karriereabschluss des Bruders Peter (Platz 6) wurde Domen 3. Dazu das Küken der Familie: Schwester Nika Prevc. In dieser Saison erstmals Siegerin des Gesamtweltcups der Frauen. Mit 19! Was für eine Familie. Ihr Bruder tritt mit 31 ab. Viele slowenische Springer, unabhängig vom Erfolg, haben deutlich früher aufgehört. Skispringen + Slowenien = Autohot. Danke für eine geile Zeit, Peter, und alles Gute für die Zeit nach dem Skispringen.

Ryoyu Kobayashi hatte im ersten Saisondrittel bereits zum dritten Mal die Vierschanzentournee gewonnen. Allein deshalb, aber beileibe nicht nur, schon deshalb ein Ausnahmespringer. Dazu zwei Weltcupsiege, 10x Platz 2 (hatte noch keiner) und Platz 2 im Gesamtweltcup.

Und die Deutschen? Andi Wellinger: Platz 3 im Gesamtweltcup, Skiflug-Silber und zwei Saisonsiege. Dazu Bronze im Team-Skifliegen. 2 Saisonsiege von Karl Geiger, der ansonsten eine schlechte Saison ab der Vierschanzentournee hatte, aber insbesondere ein Pius Paschke: der mit 33 in Engelberg seinen ersten Weltcup-Sieg feiern konnte - überraschend + überragend. Dazu die Gesamtwertung des Weltcups als 10. beendete. Hätte vor 5 Jahren niemand mit gerechnet. Philipp Raimunds Saison war als 20. im Gesamtweltcup insgesamt gut. Das erste Mal war er komplett dabei. Am Anfang mit vielen Aufs, später taumelte er meist stark. Gehört zum Lernprozess. Stefan Leyhe schwamm er mit. Am Anfang gut, später hinterher. Constantin Schmid kam nie richtig rein. Ähnlich Felix Hofmann. hatte eine insgesamt gute erste komplette Siason Zeigt auch, wie eng es manchmal innerhalb der besten 50 Springer ist. Diese Saison auch abzusehen am Polen Zniszczol und dem Schweizer Deschwanden. Beide ebenfalls schon 30+ und erstmals in ihrer Karriere mit einem Podestplatz. Noch letztes bzw. vorletztes Jahr sind sie meist in Qualifikation oder erstem Sprung ausgeschieden. Der Pole musste gar oft im zweitklassigen Continental-Cup antreten. So wie heuer Markus Eisenbichler. Da bin ich gespannt, ob der weitermacht. Ein ganz toller, erfolgreicher und emotionaler Springer.

Zum Schluss der Saison hat der Ösi Daniel Huber ganz stark aufgedreht. In der Vorsaison schwer verletzt, kam er im letzten Weltcup-Drittel richtig gut rein und gewann zwei Skifliegen sowie die kleine Weltcup-Kristallkugel als bester Skiflieger der Saison. Sein heutiger Wettkampf 247 + 242 m, war ein quasi perfekter. Der vierthöchste Vorsprung auf Platz 2 in der Geschichte des Springens. Weit und dazu noch ein butterweicher Telemark-Aufsprung. Das war ganz großes Kino. Bei Sonnenschein und etwas Schnee im slowenischen Tal der Schanzen.

Gute Besserung für den Italiener Giovanni Bresadola und den Finnen Etuu Nousianinen. Beide haben sich in Planica das Kreuzband gerissen. Und fallen somit quasi für (fast) die gesamte kommende Saison aus.

Die Nationenwertung hat mit meilenweitem Vorsprung Österreich vor Slowenien gewonnen. Dritter: Deutschland. Am Beginn der Saison waren sie grandios und gleichauf mit Österreich. Mit der Vierschanzentournee fielen wir Piefkes dann leider stetig ab. Aber bittschön nicht nur Meckern, auch wenn der Deutsche kaum etwas anderes besser kann. Es war Wellingers beste Saison seit dem Olympiasieg. Paschkes beste überhaupt. 2 Springer unter den Top 10 Im Weltcup, davon einer auf dem Podest. Einzel- und Mannschaftsmedaille beim Skifliegen. Dazu 5 Saisonsiege (von 32 Einzelspringen insgesamt). Die Norweger: 2 Saisonsiege und keine Skiflug-Medaille - fast schon ein Skandal für DIE Skiflug-Nation neben den Slowenen par exellence. Noch schlimmer: die in den letzen Jahren erfolgsverwöhnten Polen. Nur 2 (!) Podestplätze. Vom 30-jährigen Aufsteiger Zniszczol, nicht den bekannten Mittdreißiger-Weltstars Stoch, Zyla und Kubacki.

Neben dem im vorigen Beitrag schon erwähnten Österreicher Stefan Embacher für die Zukunft, sollte man sich mMn nach für die kommende Saison den Amerikaner Erik Belshaw merken. Ein ganz großes Talent. Landsmann Tate Frantz ist nicht viel schlechter. Die beiden Amerikaner sowie die Finnen (speziell Kytüsaho) und ganz überraschend die Italiener (Insam, Bresadola) waren diese Saison die Aufsteiger-Nationen. Comebacker des Jahres ist für mich der Tscheche Roman Koudelka. Immerhin 5 Weltcupsiege in der Vergangenheit. Und (mindestens) beim Skifliegen ist der junge Urainier Yevhen Marusiak zu beachten. Hat viel Flugtalent. Gespannt bin ich, ob der Türke Fatih Arda Ipcioglu nächste Saison wieder besser zurückkommt. Heuer nur 3 Punkte. Dabei hatte Ex-Bundestrainer Werner Schuster ihm zu Saisonbeginn gar einen Top 10 Platz zugetraut. Entwicklung ist halt nie linear. Schon gar nicht im Skispringen. Mit de Valentin Foubert hat zu ersten Mal seit vielen Jahren wieder ein Franzose Weltcuppunkte gesammelt. Acht insgesamt. Wäre toll, wenn da nächste Siason mehr hinzukommen. Immer etwas traurig: Kasaschstan. Seit vielen Jahren stetig dabei. Auch sogar in Teamwettbewerben. Für klene Nationen ja nicht soeinfach. Tolle Schanzen im Land. Und an sich sollte man auch etwas Geld haben. Aber sie laufen fast immer unter ferner liefen. Schade!

Die Alten: Simon Ammann springt noch immer - und vermutlich auch weiter. Kommt nicht immer in den zweiten Durchgang, aber fürs Alter mit 42 noch oft. Auch Manuel Fettner (38) geht auf die Vierzig zu. Immerhin Platz 12 in der Gesamtwertung. Gab sein Weltcup-Debüt mit 16 und wartet immer noch auf seinen ersten Weltcupsieg im Einzel. Für ihn könnte es schwer werden nächstes Jahr überhaupt in den A-Kader der Österreicher zu kommen. Denn: Kraft (1.), Hörl (4.), Hayböck (6.), Tschofenig (11.), Fettner (12.), Huber (15.), Aigner (32. - aber 6. der Gesamtwertung Vierschanzentournee) und Embacher (39.) in seiner ersten Weltcup-Saison. Fettners sensationelles Kunststück, das dem Team Austria 2013 den WM-Titel letztlich sicherte: https://www.youtube.com/watch?v=J2TPNM4UGOg

Denn die großen Skisprung-Nationen bekommen nur fünf fixe Startpätze. Plus einen weiteren temporären sechsten über den Continental-Cup, sofern man dort unter den ersten 3 der Gesamtwertung liegt. Auch im slowenischen Team herrscht somit, trotz des Rücktritts von Peter Prevc, weiterhin viel Druck (Lanisek, Zajc, Kos, D. Prevc, Jelar, Mogl, Bartolj). Anders als in Deutschland und Polen. In Norwegen dürfte ein Umbruch anstehen. Nach meist überragenden 13 Jahren wird der Österreicher Alex Stöckl wohl aufgrund von Unstimmigkeiten den Posten als Cheftrainer räumen müssen. Ihr Gerüst lautet Granerud, Lindvik und Forfang. Dazu der junge Sundal. Der bis zur Verletzung seine beste Saison absolvierte und Faustpfand für die Zukunft sein dürfte.

Zum Schluss natürlich der ewige Nori: Er sammelte diese Saison 10 Weltcup-Punkte. Pro Punkt gibt es 100 Schweizer Franken. Insofern kam am Ende ein üppiges japanisches Menü dabei raus.
Von uns die Arbeit, von Gott den Segen.