Ukrainer bei der Schwimm-WM:Und dann fließen die Tränen

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erpie
Schwallerkopp
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Ukrainer bei der Schwimm-WM:Und dann fließen die Tränen

Beitrag von erpie »

Die Medaillenzeremonie wird dort immer von einem kleinen Orchester eröffnet, das hoch oben über dem Schwimmbecken auf der der Donau zugewandten Seite spielt. Die Geigerin zupft dann sehr würdevoll ihre Melodie, mit der die Athleten empfangen werden. Dann kamen sie herein, Michailo Romantschuk, Florian Wellbrock und Bobby Finke, in dieser Reihenfolge die Bronze-, Silber- und Goldmedaillengewinner über 800 Meter Freistil. Und als Romantschuk, der Ukrainer aus Riwne, auf dem Podest stand, Edelmetall um den Hals, die Medaille in der Hand, da schloss er die Augen und begann zu weinen.
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Die Geschichte hat noch eine zweite Ebene, und die handelt von Freundschaft, auch wenn es kitschig klingen mag. Denn Romantschuk kann natürlich längst nicht mehr in der Ukraine trainieren, sein Trainingspool in der Heimat: zerbombt. Doch dann meldete sich Ende Februar, als das Grauen begann, sein allergrößter Rivale per Instagram. Und Romantschuk folgte Florian Wellbrocks Vorschlag, zu ihm nach Magdeburg zu kommen und in seinem Pool zu trainieren, in der Gruppe von Bundestrainer Bernd Berkhahn. Ein deutscher Weltmeister und Olympiasieger, zusammen mit einem ukrainischen Olympia- und WM-Zweiten.

Seither schwimmen sie dort Stunde für Stunde, Tag für Tag Seite an Seite, geben sich Tipps, lernen vom anderen, was eigentlich unglaublich ist im Spitzensport mit seinem unbändigen Konkurrenzdenken. Zumal im Schwimmen, wo jede und jeder die anderen beäugt, was man denn übernehmen kann beim Start, bei der Wende, bei der Atmung. Doch das Frappierende ist, so sagt es Berkhahn: "Je länger das Ganze dauert, je mehr sie zusammen erleben, desto besser wird das Verhältnis. Es ist schon sehr eng und familiär und auf einer emotionalen Basis gewachsen. Das ist schon einmalig." Als Wellbrock Romantschuk neben sich weinen sah auf dem Podest, wäre er laut des Bundestrainers "am liebsten rübergerannt, um ihn zu umarmen".
https://www.sueddeutsche.de/sport/schwi ... -1.5606856
Gesegnet seien jene, die nichts zu sagen haben und den Mund halten.
(Oscar Wilde)
Weil das Denken so schwierig ist, urteilt man lieber.
(Sandor Márai)
Gruß
erpie